Historie

70 Jahre Landespressedienst – von Blaupapier bis World Wide Web


Propaganda für die Integrität der Kärntner Grenze

Begonnen hat alles mit einem „Schnellbrief“ vom 24. September 1945, in dem die Aufgaben des Pressedienstes der Landesregierung von Kärnten definiert wurden. Diese umfassten den Informationsdienst für die Landesregierung sowie die Zentralregierung in Wien, die Versorgung der Landespresse mit Nachrichtenmaterial, die Einflussnahme auf den Kärntner Rundfunkdienst, die engste Zusammenarbeit mit britischen Presse- und Zensurstellen sowie österreichischen Pressestellen in den nicht britisch besetzten Zonen und die Unterrichtung der Auslandspresse.

Man beschloss die Einrichtung einer Kartei und eines Archives, um „alles was über Kärnten in Presse und Rundfunk in Österreich oder im Ausland gesagt oder geschrieben wird“ zu erfassen und auszuwerten. Es sollte zudem Grundsatz werden, dass kein Vertreter der Auslandspresse „Klagenfurt verlässt, ohne beim Pressedienst vorgesprochen zu haben“. Vor allem mit den Nachrichtenagenturen Reuters, Associated Press und United Press wollte man in ständigem Kontakt stehen, weil „damit die große Weltpresse mit einem Schlage erfasst wird“. Auslandsvertreter sollten „auf ihren Erkundungsfahrten durch Kärnten“ begleitet werden, zudem wollte man mit ihnen „einen gewissen gesellschaftlichen Kontakt“ aufnehmen. Dazu wurden im „Schnellbrief“ die Einrichtung eines kleinen Empfangsraumes und eine Sonderzuteilung von Lebensmitteln für gemeinsame Mittagessen angeregt. Zur Lösung von Sonderaufgaben und Berichterstattung wollte man auch externe Mitarbeiter in Klagenfurt und im Lande heranziehen.

Festzuhalten ist, dass man mit dem Aufbau des Pressedienstes bereits vor den ersten Kärntner Landtagswahlen nach dem Krieg begann. Diese fanden am 25. November 1945 statt, Hans Piesch wurde zum Landeshauptmann gewählt. Am 23. Oktober 1945 wurden weitere Richtlinien und Aufgaben schriftlich festgehalten, die vom ersten Kärntner Pressereferenten Franz Krassnig gemeinsam mit Minderheitenreferent Rudolf Cefarin wahrzunehmen waren. Demnach sollte u.a. mit der „Propaganda für die Integrität der Kärntner Grenze einerseits und für die Lösung der ohne Volksbefragung seinerseits von Kärnten losgerissenen Teile (Kanaltal und Mießtal)“ sofort begonnen werden.


„Sieben Tage Kärnten“ und „Das Abenteuer im Blut“

Einiges über die Geschichte des LPD wissen wir durch eine Anfrage des Instituts für Zeitungswissenschaft der Universität Wien, die der damalige Leiter Otto Maria Polley am 23. April 1963 beantwortete. Er schrieb: „Das Landespressereferat in der jetzigen Form wurde im Jahr 1945 eingerichtet bzw. von 1945 an aufgebaut. Vor 1938 bestand die Funktion des Landespressereferenten. Ob damit ein regelrechter Amtsapparat verbunden war, ist hier nicht mehr festzustellen. Erster Landespressereferent – vermutlich bis 1938 – war der spätere Hofrat im Bundespressedienst, Bernhard Scheichelbauer.“

Polley hielt fest, dass man neben dem täglichen Nachrichtendienst „Landespressedienst“ (LPD) seit Juli 1951 die amtliche „Kärntner Landeszeitung“ und seit 1947 „Auszüge aus der slowenischen Presse“ sowie den „Kärntner Brief“ herausgab. Letzterer richtete sich drei- bis viermal im Jahr an rund 800 Kärntner im Ausland. Als damaligen Chefredakteur der „Kärntner Landeszeitung“ gab Polley Richard B. Blatnik an.

Polley selbst war von 1954 bis 1970 Leiter des LPD und leitete später die Kulturabteilung des Landes. Er wurde am 30. Mai 1910 in Feldkirchen geboren und verstarb am 22. Jänner 1984 in Klagenfurt. Aus der Feder des als Schriftsteller tätigen LPD-Leiters stammen Romane wie „Das Abenteuer im Blut“ oder die Erzählung „Sieben Tage Kärnten“. In letzterer geht es um die siebentägige Autofahrt durch unser Land mit einem amerikanischen Freund, der Kärnten kennenlernen möchte.


Zugleich Landespressereferent und Vertreter der APA in Kärnten

Polley listet in seiner Anfragebeantwortung auch seine Vorgänger auf. Demnach waren 1945/46 Franz Krassnig und Richard B. Blatnik Landespressereferenten. Von 1946 bis 1950 nahm Peter Griebichler diese Funktion wahr, er war zugleich Vertreter der Austria Presse Agentur (APA) in Kärnten. Das bestätigte uns auch Hellwig Valentin, der den LPD selbst von 1972 bis 1985 leitete. Griebichler habe ihm persönlich erzählt, dass er angesichts seiner Doppelfunktion vor die Wahl gestellt wurde und sich schließlich für die APA entschieden hatte. 1951 soll laut Polley der frühere Nationalratsabgeordnete Franz Walcher Pressereferent geworden sein. Dieser verstarb jedoch am 1. September 1950, dürfte also in den ersten Monaten dieses Jahres die Funktion ausgeübt haben. Sein Nationalratsmandat endete am 8. November 1949. Von 1951 bis 1953 war Helmut Hütter Landespressereferent und von 1953 bis Februar 1954 C.F. Peturnig. Laut Valentin wechselte dieser danach in den aktuellen Dienst des ORF.

In seinem Buch „Am Rande des Bürgerkriegs. Der Kärntner Ortstafelkonflikt 1972 und der Sturz Hans Simas“ schreibt Valentin, dass Landeshauptmann Hans Sima nach seinem Amtsantritt 1965 Otto Maria Polley durch den KTZ-Redakteur Fritz Tinnacher ersetzen wollte. Dies hatte zuerst nicht geklappt, Tinnacher wurde aber 1971 – nach kurzer Interimsleitung durch Eduard Schober – Leiter des Landespressedienstes. „Bereits Ende 1971 erfolgte die Auflösung des üppig dotierten Sondervertrags, den das Land Kärnten mit dem umtriebigen Journalisten abgeschlossen hatte. Die Leitung des Landespressedienstes übernahm sodann Hellwig Valentin, damals Redaktionsmitglied der Kärntner Tageszeitung“, entnimmt man Valentins Buch auf Seite 260. Wie uns Valentin berichtete, war er in den ersten Jahren alleine im redaktionellen Dienst tätig. Er war in einer Sieben-Tage-Woche LPD-Leiter und Pressesprecher des Landeshauptmannes in Personalunion, betreute zudem als Pressemann des Landes die anderen Regierungsmitglieder, die Landesabteilungen und die Landeskrankenhäuser.

Auf Valentin folgten als Leiter des Landespressedienstes: Günther Kuss (1985-1998), Peter Schöndorfer (1998-2000), Manfred Spitzer (2000-2004), Richard Wallgram (2004-2013) und Gerd A. Kurath (seit 2013).


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