Interview

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Interview mit Hellwig Valentin, LPD-Leiter von 1972 bis 1985


Wie würden Sie „Landespressedienst“ kurz definieren?

Der LPD ist das Medienorgan des Landes Kärnten, er informiert die Öffentlichkeit über Vorgänge in der Verwaltung und transportiert die Anliegen der Landesregierung.


In einem Ihrer Bücher behandeln Sie den „Sonderfall Kärnten“. Ist auch der Kärntner LPD ein „Sonderfall“ bzw. sehen Sie hier Unterschiede zu den Pressediensten anderer Bundesländer?

Im Prinzip gibt es hier keinen Unterschied. Der LPD vermittelt den Standpunkt des Landes. Wichtig ist daher, dass er nicht parteipolitisch ist. Über den LPD darf keine Kritik an anderen Regierungsmitgliedern geübt werden. Parteipolitik habe auch ich zu meiner Zeit immer vermieden, habe bei für den LPD nicht geeigneten Aussendungen an die Parteipressedienste verwiesen.


Welches Thema war Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung für den LPD?

Sicher der Ortstafelkonflikt von 1972. Die Anspannung und das Klima im Land waren für alle eine Belastung. Es gab Demonstrationen und Bombendrohungen. Sogar eine von mir geleitete Pressekonferenz mit Landeshauptmann Hans Sima musste wegen einer Bombendrohung abgebrochen werden. Bei ihr waren auch viele internationale Journalisten anwesend. Wir hatten als LPD die große Verantwortung das heikle Thema Ortstafelkonflikt medial drüber zu bringen. Dazu kam noch die Verunsicherung, wie es politisch weitergeht. Sima war ja quasi entmachtet, also, wie die Amerikaner sagen, eine „Lame Duck“.


Wie hat sich eigentlich die Arbeitsweise des LPD in seinen 70 Jahren verändert?

Als ein Kopierer kam, war das für uns eine große Erleichterung. Zuvor hat eine Sekretärin sieben Blatt Papier mit Blaupapier dazwischen in die Schreibmaschine gespannt und die Presseaussendungen abgetippt, danach gab es die Möglichkeit der Matrizenvervielfältigung. Die Aussendungen wurden von einem Boten am Nachmittag zu den Redaktionen gebracht. Zu meiner Zeit hatten wir später auch einen Fernschreiber, über den aber nur wichtige Themen hinausgingen. Ab 1980 mieteten wir das sogenannte zweite Netz der APA. Wichtige Aussendungen wurden nach Wien gefaxt und dann dort eingestellt.

Den Umstieg auf den Computer habe ich dann erst als Chefredakteur der KTZ erlebt. Da hat der Geschäftsführer über Nacht alle Schreibmaschinen weggesperrt, damit die Redakteure den Computer benützen müssen. Zuerst gab es einen großen Aufschrei, aber bald war das Eis gebrochen. Laut Kollektivvertrag mussten jedoch Redakteure über 50 keinen Computer verwenden, ein Kollege hat dann noch als einziger seine Artikel auf der Schreibmaschine getippt.


Können Sie uns noch so eine Anekdote aus Ihrer Zeit beim LPD erzählen?

Es war ganz am Anfang meiner LPD-Zeit im März oder April 1972. Da kam der russische Botschafter nach Kärnten, Landeshauptmann Sima ging mit ihm zum Sandwirth zum Mittagessen. Es war üblich, dass auch der LPD-Chef, der Protokollchef und der Landesamtsdirektor bei solchen Anlässen dabei waren. Plötzlich ging es im Gespräch um den Regisseur Sergei Eisenstein und seinen Film „Panzerkreuzer Potemkin“. Der Botschafter sah mich an und ich sagte ein, zwei Sätze dazu. Tags darauf wurde ich zum Landesamtsdirektor zitiert. Sima hatte ein Disziplinarverfahren gegen mich angeordnet, weil ich in seiner Gegenwart mit einem Gast des Landes gesprochen hatte. Ich entgegnete, dass ja der Botschafter mich angesprochen hatte. Der Landesamtsdirektor sagte, dass ich in so einem Fall das Wort an den Herrn Landeshauptmann weiterzugeben habe. Schließlich endete diese Begebenheit mit einer Rüge für mich.


Wo sehen Sie den LPD in fünf Jahren zu seinem 75-Jahr-Jubiläum?

Ich bin überzeugt davon, dass eine Serviceeinrichtung dieser Art immer wichtiger wird und dass der LPD eine Aufwertung erfahren wird. Man wird nicht nur klassische Medien bedienen, sondern sich auch direkt über Soziale Medien an die Bevölkerung wenden.



Hellwig Valentin leitete den LPD von 1972 bis 1985, wurde danach Chefredakteur der Neuen Kärntner Tageszeitung (1985 bis 1998). Valentin war ab 2004 u.a. auch Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft Alpen-Adria und Leiter der Alpen-Adria-Geschäftsstelle des Landes Kärnten, außerdem ist er als Historiker aktiv.